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Zu Gast auf Karpathos

Etwas abseits vom touristischen Mainstream, am Rande der griechischen Inselwelt gelegen galt das traditionsbewusste, ebenso karge wie gebirgige Karpathos lange Zeit als Geheimtipp für inselhungrige Griechenland-Fans.

Trotz der spürbaren Veränderungen der letzten Jahrzehnte ist diese schlanke, zwischen Kreta und Rhodos gelegene Dodekanes-Insel immer noch vergleichsweise ruhig und beschaulich, das gilt insbesonders für den entlegenen Inselnorden!









Pigadia und der Süden

Wer wie wir Karpathos mit dem Flugzeug besucht landet auf dem nur mit dem nötigsten ausgestatteten Miltitärflughafen im Süden der Insel. Hier liegt der touristische Schwerpunkt von Karpathos mit der Hauptstadt Pigadia und dem vorwiegend von deutschen und österreichischen Pauschaltouristen besuchten Amopi. Vor allem Badefreunden oder Familien mit Kleinkindern, die einen ungetrübten Sonnenurlaub verbringen möchten ist dieser Ort zu empfehlen, allerdings mit einer Einschränkung: Hitzeempfindliche sollten Amopi eher meiden! Es gilt allgemein als einer der heißesten Plätze auf Karpathos, besonders wenn anstatt des kühlenden Meltemi der berüchtigte heiße Wind von der lybischen Küste weht!


Pigadia ist der ideale Ausgangsort für eine umfassende Erkundung der Insel. Von hier aus starten nicht nur viele Busse zu allen erdenklichen Destinationen, sondern auch verschiedene Ausflugsboote, die unter anderem auch den auf dem Landweg nur über holprige Strassen erreichbaren Inselnorden ansteuern. Regelmäßig verkehren riesige Fährschiffe zwischen Karpathos und den Nachbarinseln Rhodos und Kreta, die neben Passagieren auch schwere Lastzüge und die für die Insel typischen Kleinlastwagen der Gemüsehändler transportieren.

Glaubt man den Reisenden, die Karpathos schon seit vielen Jahren besuchen, dann hat sich die Inselhauptstadt Pigadia in den letzten Jahren erheblich verändert. Das lag offenbar nicht nur daran, dass sich der Badestrand mit seinen Hotels immer mehr ausbreitete, auch am Hafen mussten die einstigen Matrosenkneipen nach und nach immer mehr den ausschließlich für Touristen erbauten Tavernen und Diskotheken weichen. Im Laufe der Zeit kamen auch wieder einige der vor Jahren meist aus wirtschaftlichen Gründen nach Amerika ausgewanderten Hauseigentümer zurück, um am einträglichen Geschäft mit dem Tourismus zu profitieren.


Über die Gastronomie Pigadias kann man, insbesonders was die Anzahl der Lokale angeht, kaum klagen. Neben den für Griechenland typischen Tavernen gibt es viele Imbissstuben, Kafenons und Diskotheken, sowie eine Konditorei mit köstlichen lokalen Spezialitäten. Die griechische Küche mit ihrem hohen Anteil an Olivenöl ist generell eher deftig und einfach, so auch hier in Karpathos. Neben den üblichen Gemüse- und Nudelaufläufen, gefüllten Gemüsen und Fleischspießen werden auch italienische Nudelgerichte und Pizzas offeriert. Da Karpathos bis zum Oktober 1944 ein Teil Italiens war ist dies auch weiters nicht verwunderlich. Ein Großteil der Fische und Meeresfrüchte die in den Tavernen und Restaurants auf den Tisch kommen stammen aus den umliegendenen Gewässern, was andernorts bereits eine Seltenheit ist.


Wenn man Land und Leute näher kennenlernen möchte muss man sich aus der Inselhauptstadt heraus in die umliegenden Ortschaften begeben. Auf keinen Fall sollte man sich den Besuch der Bergdörfer nordwestlich der Hauptstadt entgehen lassen. Die Orte Aperi, Volada, Othos und Piles liegen hintereinander alle an derselben, steil ansteigenden Bergstrasse. Wer sich mit einem der lokalen Linienbusse auf den Weg macht kommt mit Sicherheit in Tuchfühlung mit der einheimischen Bevölkerung.


Häufig sieht man in den für unsere Augen altertümlichen Fahrzeugen durch die Sonne bereits stark ausgebleichte Aufkleber mit alpenländischen Touristenzielen wie Großglockner und Heiligenblut, sowie Hinweise und Warnungen - in Deutsch. Für uns liegt daher die Vermutung nahe, dass zumindest einige dieser offenbar gebraucht erworbenen Busse aus dem heimatlichen Österreich stammen!


Die Busreisenden setzen sich aus einer bunten Mischung von Schulkindern, alten Leuten, Handwerkern, Bauern und ab und zu auch einigen Popen zusammen. Die Fahrt gestaltet sich alles andere als ruhig. Der lokale Sender mit der für diese Gegend typischen Musik tönt lautstark über die interne Lautsprecheranlage und versorgt die Insassen mit den für unsere Ohren orientalisch anmutenden Klängen von Lyra, Lauto und Tsambouna.


In zügigem Tempo geht es die kurvenreiche Bergstraße hinauf. Sie ist schlecht und manchmal so eng, dass kaum zwei Autos nebeneinander Platz finden. Vereinzelt sieht man kleinere Ziegenherden mit ihren Hirten durch die spärlich bewachsenen Hänge ziehen. Häufig kommt es vor, dass die Fahrbahn durch Fahrzeuge von Einheimischen oder Touristen blockiert ist. Im Gegensatz zu unseren Breiten verliert deswegen aber kaum jemand die Fassung. Der Busfahrer betätigt in der Regel ein- bis zweimal die Hupe um auf sich aufmerksam zu machen und wartet stoisch auf die Lösung des Problems.


Oben angekommen bietet sich ein herrlicher Ausblick auf Pigadia und die kreisrunde Vronthi Bay. Wer sich über Aperi und Othos bis in den hintersten Winkel der Bergstraße vorwagt erreicht nach vielen Kurven und Windungen schlussendlich Piles, das bei vielen als das malerischste und schönste dieser Dörfer gilt. Begibt man sich um die Mittagszeit in die schmalen blumengeschmückten Gassen hört man kaum einen Laut, außer den vereinzelt durch die offenen Fenster hörbaren Unterhaltungen am Mittagstisch. Oliven, Akazien, Feigen- und Zitronenbäume schmücken die üppigen Gärten des Dorfes, die durch das milde, nicht zu trockene Klima der Berge hervorragend gedeihen.


Besonders im Frühjahr wechselt häufig das Licht und damit die gesamte Atmosphäre der kleinen Bergdörfer nahe Pigadia. Während weiter unten am Meer die Sonne niederbrennt versteckt sie sich hier oben gerne hinter dichten Wolken, die vom Meer hereingetrieben werden und an den Berggipfeln hängen bleiben. Gerade dieser ständige Wechsel von Licht und Schatten macht die Bergdörfer in der Umgebung Pigadias insbesonders auch für Maler und Fotografen interessant!


Das kleine verwinkelte Menetes liegt weithin sichtbar auf einer Anhöhe und ist von Pigadia aus auch zu Fuß zu erreichen - allerdings führt der Weg stellenweise steil bergauf! Gehfaule nehmen sich daher eines der preiswerten Taxis um den immerhin auf mehr als 300 Meter über dem Meeresspiegel gelegenen Ort zu erreichen. Viele Einwohner von Menetes stammen ursprünglich von der benachbarten Insel Kassos, wo sie während der einstigen Türkenherrschaft flohen. Es ist bekannt für seine ausgezeichneten Lyraspieler und Mantinadensänger. Mantinaden sind oft spontan gedichtete gesungene Verse mit einem Refrain, der von den Zuhörern wiederholt wird.



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